Darf ich meine Kunden duzen?

Darf ich meine Kunden duzen?
PRO & CONTRA von Siegmar und Danijela Tittjung

Das herzliche und kameradschaftliche „Du“ zwischen Dienstleister und Kunde ist in vielen Branchen längst Alltag. Siezen wirkt steif und altmodisch, findet Siegmar Tittjung. „Eine gewisse Distanz sollte aber immer gewahrt werden. Das vermittelt Seriosität“, kontert seine Frau Danijela Tittjung.

Siegmar Tittjung ist der Meinung, dass sich Werbeagenturen auf der Suche nach Nachwuchskräften nicht verbiegen sollten.

PRO – Siegmar Tittjung

Bei Ikea ist das gang und gäbe – der Claim „Wohnst du noch oder lebst du schon?“ vermittelt dem Kunden, er wird vom Kumpel nebenan auf seinen Lebensentwurf angesprochen. Auch die Mitarbeiter sind bei uns alle per Du – in der Kommunikationsbranche verbreitet. Und ich finde: Die machen alles richtig. Denn ganz ehrlich: Zeitgemäß ist das nicht, den Kunden noch auf die förmliche Art zu kommen. Schließlich wollen wir nicht steif und altmodisch wirken. Ganz wichtig:  Das „Sie“ baut immer eine gewisse Distanz zum Kunden auf. Genau das ist ja zu verhindern! Um Kundennähe herzustellen, braucht es einfach Vertrauen.

In der Kommunikationsbranche hat sich die lockere Anrede auch längst durchgesetzt. Die These, dass ein „Sie“ respektvoller wirkt, kann ich nicht bestätigen. Im privaten Bereich duzt man sich ja auch und damit schwindet nicht die Achtung im Umgang miteinander. Bei der Arbeit verbringen wir die meiste Zeit unseres Lebens, haben dadurch also auch eine engere Bindung zu den Kunden. Warum also unnötig eine Barriere aufrechterhalten?

CONTRA – Danijela TittjungDanijelaTittjung

Siggi, Siggi – das passt mal wieder zu Dir. Hauptsache locker und auf der Höhe der Zeit.  Klar, wir haben ja auch alle 400 Freunde auf Facebook, darunter auch den einen oder anderen beruflichen Kontakt. Warum also nicht gleich die ganze Welt duzen? Es mag nicht dem gängigen Zeitgeist entsprechen, aber ich glaube: Das ist ein Irrweg. Wir Werber machen uns damit von vornherein kleiner als wir wahrgenommen werden wollen – und auch sind.

Wann hat Ihnen Ihr Rechtsanwalt, Steuerberater oder Hausarzt das „Du“ angeboten?  Oder: Man stelle sich einen McKinsey-Berater vor, der  nach den ersten Meetings anfängt, dem Vorstandsvorsitzenden das „Du“ anzubieten. Unvorstellbar.

Wenn wir als kreative  Unternehmensberater  in einer ähnlichen Liga spielen und Consulting für das Top-Management anbieten wollen, müssen wir uns auch so verhalten. Das heißt im ersten Schritt Seriosität ausstrahlen. Dazu gehört auch im beruflichen Umgang das „Sie“. Mag es auch distanzierter wirken, es ist respektvoller und lässt keinen Zweifel, worum es im Kern geht: ums Geschäft.  Freundlich können wir deshalb ja trotzdem miteinander sein.

Marcel Müller