Day 2 Dublin Web Summit 2014

Fachvorträge, Wissensdurst und der ganz banale Hunger

Unseren zweiten Summit-Tag beginnen wir auf eine ganz besondere Weise – mit Sport. Und da so etwas bekanntlich hungrig macht, stärken wir uns danach beim erneut hervorragenden Frühstücksbuffet und schmieden dabei Pläne, was wir denn heute auf unserer zweiten Etappe unserer Summit-Expedition erleben möchten. Perfektes Timing: Die Terminerinnerung von Google weist uns darauf hin, dass wir auch schon los müssen – zum Start-Up-Workshop, den wir gebucht haben! Heute wird ganz klar ein Tag der Fachvorträge.

Der Web Summit 2014 fängt heute genauso „busy“ an wie die Tage zuvor. Tausende von Start-Up-Süchtigen pilgern in die Hallen der Royal Dublin Society (RDS) und mittendrin natürlich wir. Genau rechtzeitig zum ersten Vortrag finden wir uns im extra für Google reservierten Stockwerk ein, wo auch das W-LAN übrigens (verhältnismäßig) hervorragend ist.

Der Vortrag befasst sich mit den Grundlagen der SEO-Optimierung mithilfe der Google Webmaster-Tools. Auch wenn hier vieles gesagt wird, das bereits bekannt ist, ist der Vortrag doch eine sehr gute Auffrischung. Wir protokollieren wissbegierig eine kurze Zusammenfassung wie folgt:

Google empfiehlt den Einsatz seiner Webmaster-Tools, um auf Webseiten die Performanz der Inhalte, Keywords und Verlinkungen zu prüfen und zu verbessern. Man kann grundlegend zwischen „Owned Content“, „Earned Content“ und „Bought Content“ unterscheiden – das erinnert uns doch sehr an unseren Leitfaden für A.T. Kearney, der zuhause auf die Fertigstellung wartet!

Owned Content sind selbst erstellte Inhalt auf den unternehmenseigenen Web- und Social-Media-Seiten. Earned Content sind Inhalte, die durch die Weiterverbreitung entstehen bzw. von Usern und Influencern (z. B. Top-Blogger) des Social Web generiert werden. Earned Content genießt hohe Glaubwürdigkeit und macht den Dienst oder das Produkt des Unternehmens weiter bekannt, entzieht sich aber auch in gewissem Maße der Kontrolle (wurde früher mal als UAV, User Added Value bezeichnet, heute bekannt als UGC, User Generated Content). Bought Content bezieht sich, vereinfacht gesagt, auf alle Maßnahmen und Inhalte aus dem Social Media Marketing, für die man bezahlen muss, wie z. B. GoogleAds, Sponsoren-Posts etc. Jede dieser drei Kategorien hat ihre Vor- und Nachteile, doch gemeinsam bilden sie im Web 2.0 die wichtigsten Bekanntheitsstützen für neue Marken und Start-Ups.

Beim nächsten Thema sind wir allerdings etwas verwundert – sowohl von der Reaktion des Auditoriums als auch von der Meinung des Fachreferenten Juan Felipe Rincón von Google: Auf seine Frage, wer von den Anwesenden einen externen Dienstleister für SEO (Search Engine Optimization) beschäftigt, sind wir neben zwei weiteren Workshop-Teilnehmern die einzigen, die das tun. Rincón ist der Meinung, dass SEO nicht an externe SEO-Agenturen outgesourced werden, sondern vom Unternehmen selbst betrieben werden sollte. Das Wissen um das eigene Produkt oder den eigenen Service ist unternehmensintern am größten. Was einem User oder Kunden, der die Website oder die Social Media Kanäle des Unternehmens besucht dort geboten werden soll, um eine gute Conversion zu erreichen, wisse das Unternehmen selbst am besten. Wir stimmen damit nicht ganz überein, denn besonders wenn ein Unternehmen seine ersten Schritte im Social Web unternimmt, kann eine SEO-Agentur als Guide die individuell geeigneten Wege zum Social-Media-Erfolg professionell ebnen – damit das Unternehmen sie nach und nach, mit wachsender Social-Media-Erfahrung, auch problemlos alleine gehen kann. Wir sind uns jedoch vollkommen mit Fachreferenten einig, dass SEO keine kurzfristige, sondern eine langfristige Optimierungsmaßnahme ist, die zur dauerhaften Weiterentwicklung beiträgt.

Vortrag zwei ist noch mal eine ganze Ecke fachspezifischer: Es geht um das Thema „Analytics“, also über die Google Analytics hinaus, und damit alle Möglichkeiten einer sorgfältigen Zielgruppen-Analyse zur Aufdeckung von Herausforderungen und Chancen im Web 2.0. Dabei werden konkret die Probleme für Start-Ups angesprochen, die meist keine relevanten Daten zu ihren Zielgruppen haben. Eine sehr knifflige Sache also, für die es jedoch sehr eindrucksvolle Lösungswege gibt , wenn man alle zur Verfügung stehenden Kanäle – wie Mobile, Desktop und Third Party Clients wie z. B. Smart TVs – zur Analyse heranzieht.

Der dritte und letzte Vortrag vor der Mittagspause ist der interessanteste und wird außerdem super spannend von Hilla Manor, Breaking Bad UX, vorgetragen. Es geht um User Experience bei Start-Ups und die Herausforderungen und Potenziale in diesem Bereich. Auch hier protokollieren wir live ein wenig mit:

Start-Ups haben oft das Anliegen, mit einer smarten Idee eine Vielzahl großer Probleme auf einmal lösen zu wollen – mit Anwendungen im Angebot, die an ein überdimensionales Schweizer Taschenmesser erinnern. Stattdessen sollte ein Start-Up sich auf einen User-Typ sowie ein Problem konzentrieren und eine Lösung dafür anbieten, die durch ihre Kreativität und Einfachheit die Akzeptanz der User für sich gewinnt. Bei der Konzeption müssen Annahmen formuliert und überprüft werden. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse fließen sofort wieder in die Optimierung der Anwendung bzw. Lösung. Dieser Zyklus beweist die essenzielle Bedeutung von Usability Tests, für die in der Entwicklung unbedingt Zeit eingeplant werden muss.

„There are a few common mistakes startups tend to make while developing their product. In this session we will present how to avoid these mistakes on the way to creating a great product with great UX – and how one of these mistakes almost cost the speaker her own startup.“

Bei diesem Thema (Usability ’n’ Technology) müssen wir gleich an SHIPPIES® denken, wo wir Lösungen für gleich drei User-Gruppen anbieten. Wir sollten überlegen, ob wir nicht zwei getrennte Anwendungen – eine für den Versender und die andere für den SHIPPIES® buddy – anbieten und diese mit einer einfachen Verfolgungsfunktion kombinieren. Als Vergleich fällt uns dazu freelancer.com ein, wo zwei User-Gruppen gleichzeitig bedient werden. Hier erschließt sich mir auch das Vorgehen von 4SQ mit der strategischen Entscheidung, Swarm zu launchen mit einer App für das eigentliche Doing und einer für die erweiterten Hintergrundinformationen. In diesem speziellen Fall gibt es aber auch schon wieder andere Meinungen, welche aber eher mit der Ausführung der Entscheidung zu tun haben als mit dem eigentlichen Split der App.

Nach der Aufnahme dieses hoch komprimierten Inputs haben wir uns eine Stärkung verdient und pilgern magenknurrend zur Essensausgabe. Wir sind in bester Gesellschaft tausender Gleichgesinnter, die genau wie wir, auf dem Dublin Web Summit neben ihrem Wissensdurst auch ihren ganz alltäglichen „Essenshunger“ stillen möchten/müssen. Wir sind beeindruckt, wie scheinbar einfach es den Organisatoren gelingt, alle Besucher und Teilnehmer in diesen beiden Punkten perfekt zu bedienen. Unseren Respekt dafür!

Nach dem Mittag pflegen wir das Tagesmotto weiter und hören uns einige Vorträge und Interviews auf der Center Stage an. Auch treffen wir zufällig unseren Freund Dirk Busshart wieder und vereinbaren gleich ein Treffen auf der abendlichen SalesForce Party, auf der wir heute Abend dann diesen Tag beschließen werden – bei Networking und Getränken … lassen wir heute die Dublin Web Summit 2014 ausklinge.

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Marcel Müller