Google heute und Apple früher!

Mittwoch, 30.07.14 – Big Player hautnah

Es gibt Tage im Leben, die kann man nicht beschreiben, man muss sie erleben mit allen Sinnen und Gefühlen, Höhen und Tiefen. Um an Ende sagen zu können: Ja, ich war dabei und werde es sicher nicht so schnell vergessen. Ein besonderer Tag für uns Rulebreaker, die sich wie gewohnt aus dem Headquarter San Francisco W erneut auf die Reise in das nahe gelegene Mountain View aufgemacht haben.

Was erwartet uns heute auf dem Google Campus? Treffen wir zufällig Larry Page oder Sergey Brin in einem der vielzähligen Gebäudekomplexe? Oder entdecken wir sogar etwas Geheimnisvolles aus dem Google X Forschungsprogramm? Wir werden sehen. Gleich im Anschluss dürfen wir uns bei Bosch Research auf das Gespräch zum Thema „Smart Home“-Lösungen einstellen. Der letzte Besuchstermin des Tages findet bei German Accelerator statt, die uns Wege und Programme zum Aufbau eines Start-ups bzw. Standortes im Silicon Valley aufzeigen. Bei unseren abendlichen Dinnergesprächen freuen wir uns auf die Herren Werner Blessing, der als Founder das Unternehmen Biometry vorstellt – sowie Dr. Farzan Fallah mit seiner Idelan Inc.

Unsere 1. Station: Google

Google muss man wirklich nicht mehr vorstellen, jeder kennt dieses Unternehmen und seien wir mal ehrlich, es ist nicht mehr wegzudenken aus unserem Leben. Ein paar Worte sind aber bestimmt hilfreich, um alles zu erfassen, was dieser Gigant inzwischen für Bereiche abdeckt und forciert. Sie kennen alle die Suchmaschinenkompetenz, die fast 70% Marktanteil weltweit und in Deutschland sogar 92% besitzt. Der Markenwert von Google ist enorm, so dass er inzwischen 160 Milliarden Dollar erreicht hat – Tendenz steigend – und somit unangefochten die Spitzenposition hält. Um alle Google Produkte und Forschungsprojekte aufzulisten, müssten wir den Beitrag um mehrere Seiten erweitern, so dass wir nur ein paar wenige auflisten, die unter der Bezeichnung Google X integriert sind. Dazu gehören Google Glass, Project Loon (Internetdienste mit Ballons in der Stratosphäre), Google Brain und Deep Mind – sowie viele weitere, die wir noch gar nicht kennen.

Aber zurück zum Campus oder auch Googleplex – der Magie von Google mit eigenem Fußballplatz, Restaurants, Fitnessstudios und diversen anderen Einrichtungen, die den Mitarbeitern eine Rundum-Versorgung bieten, so dass es eigentlich nicht mehr notwendig ist, nach Hause zu gehen. Ein Konzept, das schwer zu überbieten ist und von vielen anderen in der Bay Area ebenso praktiziert werden muss, um im Wettbewerb zu bleiben. Wer die besten Mitarbeiter hat, diese mit allen Annehmlichkeiten an das Unternehmen bindet, wird die Zukunft erfolgreich bestreiten können und somit seine Marktposition festigen. Wir alle kennen den Begriff „War of Talents“, den Google sicherlich als „der attraktive Arbeitgeber“ schon in die richtige Richtung gelenkt hat. Unser Empfinden, obwohl wir nur ausgewählte Räume und Bereiche besuchen dürfen, ist ein harmonisches Miteinander, „good vibrations“, so dass es beeindruckend war, das innovative und milliardenschwere Unternehmen zu besuchen.

Mal eben kurz zu Steves Garage …

Bevor wir zu unserem nächsten Besuchstermin fahren, machen wir eine Routenänderung und schauen uns ein Wohnobjekt an. Sie fragen sich, sind die jetzt voll abgedreht oder ist die Sonne so heiß geworden? Nein, wir wollen das Haus und die Garage sehen, in dem Steve Jobs, möge er in Frieden ruhen, seine ersten Apple entwickelt und gebaut hat. Nicht nur die Garage, das ganze Haus war seine Werkstatt und wir stehen davor: in Erfurcht, Andacht und Erinnerung an einen genialen Menschen auf dieser Erde, der viel zu früh von uns gegangen ist.

Ist das ein Omen für den nächsten Termin?

Unsere 2. Station: Bosch Research

Wir fahren zum Traditionskonzern Robert Bosch, gegründet 1886 in der Nähe von Stuttgart, und lange Jahre die Nummer Eins als multinationales Unternehmen im Bereich der Automobilzulieferung von Automobilelektronik und -mechantronik.

Könnte die Innovationsabteilung der Bosch Research in Palo Alto die verlorene Position wieder aufholen? Der Claim, „Invented for life“ (Erfunden fürs Leben), lässt auf ein interessantes Gespräch hoffen. Wir werden sehr herzlich begrüßt – übrigens das erste Mal auf unserer Reise auf deutsch – und in das Besprechungszimmer geführt. An diesem Standort arbeiten 200 Mitarbeiter an diversen Projekten, unter anderem an dem Thema „Intelligentes Zuhause“, aber auch an weiteren zukunftsorientierten Entwicklungen, wie zum Beispiel am milliardenschweren Markt der Automobilindustrie und deren Hoffnungsträger: das „vernetzte Auto“. Wir alle wissen, das Google hier auch mitreden möchte und stark versucht, in diesen Markt zu drängen. Aber schafft man das gegen den erfahrenen und weltweit in der Automobilbranche vernetzt aufgestellten Konzern Robert Bosch? Wir werden es im Gespräch erfahren.

Das Besprechungszimmer ist voll belegt und lässt keine Luft zum Atmen. Unser Präsident der Rulebreaker, Sven Janszky, stellt die Philosophie der „legalen Regelbrecher“ vor. Unser Team aus erfahrenen Vorständen, Managern, Aufsichtsräten und Foundern stellt gezielte Fragen, deren Antworten uns brennend interessieren. Wenn wir schon 10.000 Kilometer geflogen sind, wollen wir nicht an der Oberfläche kratzen, so dass gleich eine kontroverse Diskussion beginnt, die sich sehr lange hinzieht – und sich als die bisher anstrengendste unserer Reise herausstellt. Unser Wissenshunger wurde nicht befriedigt und leider durch einen Termincall auf dem iPhone abrupt unterbrochen. Nicht jedes Gespräch kann auf einer Wellenlänge geführt werden, das wissen wir sehr gut. Aber die Chance, Themen mit erfahrenen Menschen zu diskutieren, die gewohnt sind, auf Augenhöhe zu debattieren, wurde nicht genutzt. Sehr schade! Das haben wir bisher im Silicon Valley noch nicht erlebt, akzeptieren wir natürlich und freuen uns dennoch, wenn Bosch sich im hart umkämpften Markt des vernetzten Autos gegen die mächtigen Wettbewerber durchsetzt.

Unsere 3. Station: German Accelerator

Auf zum nächsten Termin, zu German Accelerator – einem Programm, das unter anderem vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie unterstützt wird.

Der CEO, Oliver Hanisch, empfängt uns freundlich und in deutscher Sprache. Wir werden über die vorhandenen Programme informiert, die es ermöglichen, einen Schritt in Richtung Silicon Valley zu gehen. Natürlich bekommt man nichts geschenkt, das gibt es aber heute nirgendwo mehr. Die Potenziale, Netzwerke, Erfahrungen und auch detaillierten Beschreibungen geben uns positive Signale und auch sofortige Gedankenanstöße. Das Valley ist nicht nur für IT-Unternehmen da, das muss man inzwischen begreifen, und Größe schützt vor Schnelligkeit und Ideenreichtum längst nicht mehr.

Wir haben Glück und dürfen Dieter Bohlen bzw. Heidi Klum spielen, vier Start Ups stellen sich kurz und persönlich mit ihrer Business-Idea vor, jedes mit einer glaubhaften und erfolgversprechenden Ausführung und dem Wunsch, diese im Valley erfolgreich auf den Weg zu bringen. Und viele natürlich mit der Hoffnung, 1, 2, 5, 10 oder sogar 20 Millionen US-Dollar Startkapital zu erhalten. Aber nur wenige werden es schaffen.

Ich grüße an dieser Stelle alle Rulebreaker. Ihr seid echt ein klasse Team – bin stolz darauf, mit euch durch Kalifornien zu reisen und gemeinsam die Zukunft in Deutschland zu gestalten. Ich bin dann jetzt auch offline und freue mich, Sie alle morgen wieder über unseren nächsten Tag im Valley zu informieren.

Have a nice day in Germany, Siegmar Tittjung.

Marcel Müller