Vom OP-Roboter zur 3D-Drucker-DNA

Donnerstag, 31.07.14, Teil 2 – die atemberaubenden Erlebnisse gehen weiter

Dieser Donnerstag hatte es wirklich in sich. Wir haben vier Unternehmen besucht, deren Innovationen die Welt bewegen werden – und waren komplett begeistert. Eine großartige Idee jagte die nächste. Von den ersten beiden Terminen hatte ich ja schon berichtet: Die Singularity University mit ihrer Mission, die Menschheit auf die Herausforderungen der Zukunft vorzubereiten, zum Beispiel Künstliche Intelligenz und Bionic Food. Sowie Bloom Energy, die sich zur Aufgabe gemacht haben, mit ihren Produkten zur stationären Stromversorgung sauberes Wasser, saubere Energie und saubere Luft für die 7 Milliarden Menschen auf der Erde zu erreichen. Heute berichte ich nun von unseren beiden weiteren Besuchen, die – das kann ich jetzt schon versprechen – genauso spannend waren.

Unsere 3. Station: Intuitive Surgical

Nach einer Fahrstrecke von gefühlten 5 Minuten erreichen wir Intuitive Surgical, ein amerikanisches Unternehmen, das Roboter-Operationssysteme entwickelt. Am Empfang angekommen, dürfen wir wieder ein NDA ausfüllen. Unsere drei Jungs unterschreiben dieses Mal „ohne Murren und Knurren“, wobei sie sich schon ein paar Bemerkungen von der Gruppe anhören müssen, dass sie den Termin wahrnehmen können. Am Eingang stehend, sehen wir durch eine riesige Glaswand die Operationsroboter stehen: unheimlich, hilfreich oder was soll man davon denken? Möchte man sich von so einem „Ding“ operieren lassen? Wir werden es ja sehen.

Nach einer Präsentation des Sales Director bekommen wir einen ersten Eindruck über den Markt, die Strategie und die Visionen des Unternehmens. Bitte entschuldigen Sie, dass ich keine weiteren Details veröffentlichen kann – Sie wissen ja, das NDA. Was Eindruck macht ist, dass wir nicht einmal alleine auf die Toilette dürfen. Wir werden bis zum Restroom begleitet und wieder zurück zum Besprechungszimmer geleitet. Warum? Wir wollen doch keinen der Roboter hinaus tragen, könnten aber sicherlich etwas sehen, was nicht unbedingt erwünscht wäre. Ein normales Prozedere in diesem Unternehmen, was uns auch nicht weiter stört. Die Atmosphäre ist freundlich, kompetent und man beantwortet uns alle gestellten Fragen. Was uns beeindruckt, ist die „Trophäengalerie“ mit ca. 120 Patienten des Unternehmens – schön strukturiert an der Wand gegliedert. Man kann sich denken, dass dieser Unternehmenserfolg nicht von ungefähr kommt.

Nachdem wir die „ZDF“ (Zahlen, Daten, Fakten) erledigt haben, geht’s zum
DA VINCI-Modell, um dieses aus der Nähe zu betrachten. Man erklärt uns, wie die Operationswerkzeuge gewechselt werden, die allgemeine Funktionsweise der Greifarme und deren Steuerung. Das vom Operator gesteuerte Terminal ist neben dem Roboter zu finden. Die eingesetzten Werkzeuge werden aus Sicherheitsgründen nach 10 Eingriffen ausgewechselt, so dass man nicht eine Funktionsstörung befürchten muss. Normalerweise halten diese deutlich länger, sagt man uns. Wir bekommen anhand eines Modell gezeigt, das wie ein Bauch aussieht, warum der DA VINCI einen deutlich besseren Spielraum bei einer Operation hat, als eine normale menschliche Hand. Der Aktionsspielraum beim Eintritt in den Körper ist bei normalen OPs eingeschränkt, die Sicht- und Handhabung ebenso, so dass der Roboter-Freund mit seinen technischen Fähigkeiten deutlich bessere Ergebnisse erzielen kann – selbst bei langwierigen und schwierigeren Operationen. Wir werden überzeugt und ein paar Rulebreaker dürfen die Handhabung testen. Sie justieren kleine Gummiringe auf ein Modell, das aussieht wie eine Vulkanlandschaft. Es gelingt spielerisch und kinderleicht, wir können es an einem Monitor mitverfolgen, alle sind begeistert.

Dann gehen wir einen Raum weiter zur „S-Klasse“, dem DAVINCI SI. Das neueste Modell aus der Entwicklung hat anstatt drei jetzt vier Arme und alle Sonderaustattungen, die man sich vorstellen kann (siehe Bilder). Was uns begeistert hat, ist die Genauigkeit, die unermüdliche Operationsleistung, die keinen Fehler zulässt sowie der Fortschritt, der auch in diesem Bereich Einzug gehalten hat. Natürlich benötigt man noch immer einen guten Arzt, der über das Terminal den Roboter steuert, aber mit dieser Präzision kann ich mir kaum vorstellen, dass ein „normaler Mensch“ einen längeren Zeitraum besser meistert als der DAVINCI SI. Eine sehr geniale Entwicklung, die wir hier gesehen haben.

Unsere 4. Station: Biocurious

Wir alle sind vom bisher Erlebten schon ziemlich „geplättet“ und haben noch einen weiteren Programmpunkt zu erledigen: die Bio Tech Community Biocurious, die alle ehrenamtlich ein kleines Büro betreiben und bisher von Spenden und Eigenfinanzierung lebten. Wir sehen gleich, warum das nicht mehr so ist.

Wir kommen in einen Raum ohne Fenster, ohne Notausgang, der mit allerlei technischen Geräten, Kühlschränken, Kartons, Plakaten und weiteren Materialien vollgestellt ist, so wie man sich eigentlich kein Labor zur DNA-Erzeugung vorstellt. Aber die Community ist mit voller Stärke angetreten und freut sich auf den Besuch der Rulebreaker from Germany. Die Wortführerin, eine ehemalige Marketing-Mitarbeiterin von Apple, stellt uns lautstark das Team vor und leitet das Treffen ein.

Zum Abendessen gibt es heute Pizza und Bier, so dass es eine ungezwungene Veranstaltung wird. Wir fühlen uns wohl hier, komplett anders als bei den letzten Terminen, aber deutlich freundlicher als bei unserem Besuch bei BOSCH. Ungläubig warten wir auf das Experiment, mit einem selbstgebauten Druckersystem eine eigene DNA-Zelle zu produzieren. An einem anderen Drucker läuft der 3D-Druck eines Käsewürfels. Die Gespräche und Vorstellungen lassen keinen Spielraum zum Durchatmen – der Kopf drückt, die Augen brennen, aber es ist extrem interessant, das alles live zu sehen.

Dann eine wundervolle Nachricht der ehemaligen Apple Marketing-Angestellten, dass sie bei einem Foundraising für eine Idee 500.000 US-Dollar geraist haben – das gibt Luft für weitere Experimente und Ideen. Was für eine Idee hat denn mal kurz eine halbe Million akquiriert? Es war die Entwicklung einer eigenen DNA-Struktur, die man natürlich im Büro selbst entwickelt und danach Pflanzen implantiert hat. Der Mehrwert: Die Pflanzen begannen im Dunkeln zu leuchten, absoluter crazy shit, aber Realität, ich schwöre. Auf was für Ideen kommt die Community noch? Werden Sie den ersten Virenangriff auf der Welt entwickeln oder das Gegenmittel? Werden Sie vielleicht das nächste Google oder Facebook, man kann es nicht prognostizieren, aber das ist auch wieder der Spirit des Silicon Valley! Schön, dass wir diese Erfahrung machen durften.

Ein Überraschung wartet auf uns

Nachdem uns die Community nicht mehr gehen lassen wollte, kommt unser Überraschungsgast und „Retter“ Matthias Hohensee, dessen Erscheinen von einem Rulebreaker kurzfristig organisiert wurde. Wir wechseln die Location und wandern zu einem benachbarten Restaurant, bilden einen Kreis, so dass wir den US-Korrespondenten der Wirtschaftswoche, der seit 16 Jahren im Silicon Valley lebt, umzingeln und ihn mit neugierigen Fragen löchern können.

Er erzählt uns von seinen Begegnungen mit Steve Jobs, dem leider verstorbenen Apple Chef, und was er mit Ihm erlebt hat, die Einführung der iPods, und weitere Insider-Informationen vom „Apfel-Unternehmen“. Natürlich hat er in seiner Laufbahn schon sehr viele Menschen aus dem Valley kennengelernt, unter anderem auch verschiedene Google CEOs oder den Tesla Gründer, Facebook und viele weitere, sehr interessante Geschichten von Unternehmen bzw. Personen.

Seine Antwort auf die Frage, warum hier im Silicon Valley alles anders erscheint als vergleichsweise in Deutschland, beantwortet er mit der Aussage: „Hier im Valley gibt es extrem viel Geld, das investiert wird. Und die Menschen glauben daran, haben eine andere Einstellung, einen anderen Spirit. Ein Misserfolg ist hier kein Beinbruch, sondern ein Versuch, der vielleicht beim zweiten, dritten oder vierten Mal funktioniert“.

Was zählt sind die Verbindungen, innovative Ideen und auch ein bisschen Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Natürlich ist auch aktuell wieder das Thema „Blase“ im Hinterkopf, da auch Hedgefonds mit Kapital ins Valley investieren und später will es dann keiner gewesen sein, wenn es platzt. Nützliche Empfehlungen zum Ende des Gesprächs lassen unseren Tag so langsam ausklingen.

Wir haben uns sehr gefreut, einen super interessanten und sympathischen Matthias Hohensee kennengelernt zu haben und wünschen ihm weiterhin viel Erfolg mit seinen Berichterstattungen aus dem Valley!

Nachdem unser Tag mal wieder 16 Stunden lang war, freuen wir uns alle auf eine entspannte Rückfahrt ins W Hotel nach San Francisco. Have a good time and see you tomorrow – many greetings from the Bay Area from Danijela & Siegmar Tittjung.

Marcel Müller