Web Summit 2014 – The Final Summary

Web Summit 2014 – Rückblick auf ein großes Event

Wie beschreibt man im Nachhinein eine Messe, die einen eine ganze Woche lang in Beschlag genommen hat, einen einsog in eine ganz andere Welt? Wohl am besten aus einer etwas persönlicheren Sicht, ohne all zu sehr in die Tiefen der Ausstellerlisten und Start-Up Präsentationen zu gehen.

Wir wollen hier eine etwas subjektivere Betrachtung des Summit liefern, mit einigen kleinen Betrachtungen und Meinungen. Jenseits der offiziellen Hard-Facts-Reviews, die sich inzwischen ja ohnehin zur Genüge im Web und auf unseren tagesaktuellen Blogposts aus der Dublin Web Summit 2014-Woche tummeln.

Die große Frage vorneweg beantwortet – JA, der Dublin Web Summit 2014 hat begeistert und inspiriert, und JA, wir würden gerne 2015 wieder kommen. Zugegeben, 2014 war unser erster Summit, wir sind mit wenig Vorbereitung, aber dafür mit umso mehr Erwartungen angereist. Und wir wurden definitiv nicht enttäuscht.

Einen charmanteren Ort als Dublin, diese Stadt mit den vielen, kleinen und älteren Backsteinhäusern und Kirchen, die augenscheinlich so wenig „Hightech“ zu bieten hat, hätten zumindest wir uns kaum vorstellen können.

Eben dieser Kontrast machte einen großen Teil der ersten Eindrücke aus und gab dem Summit gleich zu Beginn einen abenteuerlichen, menschlichen Charme. Dies ist kein aufgesetztes Marketingevent um der Big-Business-Show willen, hier wird an Hightech getüftelt und junge, engagierte Unternehmen gehen Hand in Hand mit großen Unternehmen. Professionell koordiniert, durch einen äußerst sympathischen Paddy Cosgrave und sein Team von mehr als 100 Mitarbeitern und ca. 1.500 „volunteers“. Gesponsert von Big Playern der Digitalbranche, war hier zwischen Google und Microsoft gefühlt alles vertreten, was man so kennt. Die Lücken füllten die vielen Start-Ups, um die es letztlich ja zum Großteil ging. Insgesamt waren wohl gut 200 Unternehmen vertreten.

Genau das machte den so menschlich zugänglichen, dennoch professionellen und wertvollen Charakter der Veranstaltung aus – Neues kennenlernen und direkt nebenan durch die Workshops und Präsentationen von den Großen lernen. Dazwischen flogen die kreativen Funken, man sah überall Menschen in angeregten Gesprächen vertieft, fühlte das Networking, nein WEBworking, auf der Dublin Web Summit 2014.

Die Menschen auf der Web Summit 2014

Es gab eine große Vielfalt an unterschiedlichsten Besuchern. So wandelten offensichtliche Businessleader in Anzug oder Kostüm mit Macbook neben Tech-Geeks in Schlabberlook und Hornbrille (ebenfalls am Macbook, jedoch mit Stickern verziert). Da stand die Auszubildende mit ihrem privaten Smartphone (immer auf der Suche nach dem besten WiFi) neben der Studentin und der geschäftig herumwuselnden Schülerin. Die Besucher sahen alle sehr interessiert und begeistert aus, selten angestrengt oder gelangweilt. Es war ein Technologie Festival mit rund 22.000 Besuchern.

Wie bei jedem guten Festival war auch auf dem Dublin Web Summit 2014 dasAngebot an Attraktionen, Sprechern und Workshops so groß, dass man schon sehr genau auswählen musste, um wenigstens die allerinteressantesten Termine zu erwischen. Auch wir haben an den drei Tagen versucht, eine Mischung aus Workshops (hier noch einmal ein spezieller Dank an Google), Inspiration (vor allem das Bummeln durch die vielen Reihen der Start-Up Stände) und Infotainment auf der großen Main Stage für uns mitzunehmen. Und, wie schon in unserem Tages-Blogposts berichtet, wurden wir jeden Tag auf’s Neue überrascht und fasziniert.

Was jedoch noch einmal konkret zu erwähnen ist, sind die Ergebnisse der beiden Start-Up Pitch-Competitions, die uns letztlich auch überhaupt die Möglichkeit gaben, als „Alpha-Start-Up-Exhibititors“ zum Dublin Web Summit 2014 zu kommen. SHIPPIES war als eines unserer Projekte natürlich mit dabei. Die Competitions waren bekannterweise in zwei Kategorien geteilt: Alpha-Start-Ups, die erst frisch am Anfang waren und – so haben wir das zumindest gehört – ein Budget unter 1 Mio. Euro zur Verfügung hatten sowie “Beta-Start-Ups”, die schon weiter entwickelt sind und bis zu 3 Mio. Euro Budget haben (falls jemand hierzu Details kennt, wir freuen uns über eine Mail!).

BASESTONE
Den Alpha-Pitch gewann BASESTONE, eine Software für das Bauwesen, die nicht nur unerwartet ansprechend gestaltet, sondern auch auf verschiedensten Endgeräten nutzbar ist. Und das mit mehreren „Mitwirkenden“, On- wie auch offline. Spannend, ein Blick auf die Webseite lohnt sich. Der Sieg ist verdient, auch wenn dies bedeutet, dass unser Teilnehmer SHIPPIES nicht vorne lag.

CODACY
Den Beta-Pitch gewann CODACY, eine Anwendung zur automatisierten Analyse und Bewertung von Programmcodes – mit Unterstützung vieler Programmiersprachen und in einem ansprechenden und praktischen Interface. Auch hier gilt: unbedingt mal auf die Website schauen!

Ein Erlebnis nicht nur für Insider und Nerds

Dies bringt uns zu der Frage, für wen der Dublin Web Summit 2014 vor allem interessant ist und ob es sich lohnt, sich dort vielleicht selbst mal als Aussteller zu präsentieren.

Die Antwort ist klar: Wer beruflich oder auch nur privat engagiertes Interesse an neuen digitalen Technologien und Diensten hat, sollte wenigstens einmal auf den Dublin Web Summit gehen, auch wenn dies eine spürbare finanzielle Investition bedeutet (Tickets, Flug und Hotel können leicht ins Vierstellige gehen…). Jedoch nicht unbedingt, um hier tiefgehend etwas zu Praxis und Anwendung von Technologien gelehrt zu bekommen. Denn hier lernt kein Designer das Gestalten erfolgreicher Apps und auch kein Konzepter, was eine Anwendung nutzerfreundlich macht. Dies ist auch nicht die Aufgabe der Summit. Sie ist ein Showroom von Neuem, für alle, die selbst an Neuem mitwirken wollen oder Neues lieben. Keine Fortbildungsveranstaltung im eigentlichen Sinne. Man lernt hier viel kennen, findet Inspiration und Denkanstöße, muss diese aber für sich und sein eigenes Arbeitsfeld filtern und auswerten. Das macht die Veranstaltung so spannend wie auch anstrengend und zu einer wertvollen Erfahrung für jeden, der mehr im Web macht, als seinen Urlaub zu buchen und Pizza bestellen. Natürlich ist der Dublin Web Summit auch DIE Chance für neue Unternehmen, sich in der Branche zu platzieren, denn das ist ja der Kern der ganzen Sache.

Aber muss man dafür ein Start-Up gründen oder für einen Big-Player der Branche arbeiten, um mehr als nur Besucher zu sein?

Ich denke nicht, denn wo Start-Ups, Big Player, Investoren und Pop-Stars sich tummeln, da ist auch Platz für alle anderen in diesem digitalen Business. Agenturen, Blogger, Ideenschwangere, Kreative, Marketer, Entwickler, Texter und Konzepter haben hier alle die Möglichkeit, sich und ihr Können zu zeigen (und wenn’s nur ein T-Shirt und die Messenger-Bag im eigenen Design voller Flyer ist), zu reflektieren, Kontakte zu knüpfen, Neues zu sehen, Neues zu erfinden.

Eines fiel uns jeden Abend auf, nachdem wir im Pub unser Guinness tranken, den Tag Revue passieren ließen und unsere Blogposts formulierten:

  • Wessen Projekt war so toll, dass man es gerne selber fördern würde?
  • Wem könnte / würde man gerne seine eigenen Dienste anbieten?
  • Wessen Service könnte man selbst gut gebrauchen?
  • Die Köpfe schwirrten vor Impressionen und Gedanken, Ideen sprudelten.
  • Macht es Sinn, mehrfach zum Dublin Web Summit zu gehen?  JA, wenn man die Zeit und das Geld investieren kann und die Inspiration der Veranstaltung zu nutzen weiß. Oder eben, wenn man etwas zu zeigen hat.
  • Was blieb besonders in Erinnerung, abgesehen vom fachlichen Input, was war der Charakter und das Erlebnis der Veranstaltung an sich?

Ganz klar, das WiFi war unter aller Kanone, wie selbst Paddy Cosgrave am letzten Tag gestand, aber das sei ihm verziehen, da die 4 Tage ansonsten wirklich nicht nur fachlich, sondern auch als Event selbst ein Erlebnis waren. Das Catering war herausragend, was sich auch Herz erwärmend äußerte, als am letzten Tag die verantwortlichen Küchenchefs auf die Bühne geholt wurden: tosender Applaus. Für mich war das der denkwürdigste Moment der ganzen Veranstaltung, auch wenn er eigentlich gar nichts mit dem eigentlichen Thema der Messe zu tun hatte. Dennoch haben hier die Leute von Good Food Ireland einen tollen Job gemacht. Der Dublin Web Summit ist eben etwas mehr als eine Fachmesse. Sie ist ein umtriebiges Treffen unter Gleichgesinnten, sehr gut organisiert und noch besser besucht.

Zum Abschluss einige letzte Fakten und Tipps

  •  Gute Englischkenntnisse sind definitiv erforderlich
  •  Bono war (mal wieder) da, hat aber nicht gesungen.
  •  Es gab sehr gutes, auch vegetarisches und veganes Essen
  •  Getränke wurden vielerorts kostenlos angeboten
  •  Der Kaffee war frei
  •  Die Iren sind sehr gastfreundlich, die Taxifahrer haben Humor
  •  Es ist wichtig, am ersten Tag früh zur Registrierung zu kommen
  •  Leichtes Gepäck und bequeme Schuhe sind überlebensnotwendig
  •  Ladeadapter, Akkupacks und Speicherplatz auf dem Smartphone und Tablet ebenfalls

Wir finden dass die Web Summit ein tolles Erlebnis war!
Sie möchten tiefere Eindrücke vom Dublin Web Summit 2014 gewinnen?
Unter den folgenden Links finden Sie interessante Fotos und Videos.

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Marcel Müller